Iran-Konflikt - Überblick für Anlegerinnen und Anleger
- Lisa Hassenzahl

- vor 3 Tagen
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Aktualisiert: vor 2 Tagen
Die anhaltenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten sowie der Eingriff der USA am vergangenen Samstag sorgen verständlicherweise für Verunsicherung - auch an den Kapitalmärkten.
Nachfolgend möchten wir Ihnen daher einen Überblick zu den wichtigsten Entwicklungen und Einflussfaktoren geben:
Nahost-Eskalation: Entscheidend ist der Ölpreis
Der Iran selbst ist als direkter Absatzmarkt für westliche Unternehmen weitgehend irrelevant – Sanktionen haben ihn wirtschaftlich isoliert. Die entscheidende Bedeutung liegt in der Kontrolle über die Straße von Hormus sowie im Einfluss auf globale Öllieferketten.
Marktreaktionen:
Die Kapitalmärkte reagierten zum Wochenstart mit einem kontrollierten Abverkauf in einzelnen Bereichen Aktienmärkte. Öl stieg um rund 10 Prozent und die Renditen für Staatsanleihen stiegen leicht an. Der US-Dollar gegenüber dem EUR wird als klassisch "Sicherer Hafen" gesucht und notierte kurzfristig unterhalb der 1,17 Marke. Edelmetalle, besonders Gold, steigen ebenfalls im Wert.
Faktor Öl:
Die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran ist der zentrale Marktfaktor: Rund 20 Prozent des global gehandelten Öls passieren diese Engstelle, Tanker stauen sich, Lieferpläne geraten durcheinander. Alternativrouten über Saudi-Arabien (Yanbu) und die VAE (Fujairah) existieren, können aber nur 30–40 % des Volumens auffangen.
Erste Preisindikationen zeigen einen Anstieg von ca. 10 Prozent bei Brent und WTI – das entspricht in etwa dem Jahresdurchschnitt 2024 und stellt noch keinen globalen Schock dar.
Wie stark und dauerhaft der Effekt wird, hängt von der Länge der Sperrung ab. Hormus bleibt dabei ein wichtiges Verhandlungspfand des Iran, selbst eine militärische Öffnung würde kaum sofort Abhilfe schaffen, da Reedereien ohne Versicherungsschutz die Passage meiden dürften.
Gefahr Öl-Schock:
Ein Ölschock erhöht die Kosten für Energie, Transport und Produktion in der gesamten Wirtschaft, was Unternehmen zwingt, entweder ihre Margen zu opfern oder die Preise weiterzugeben – beides schwächt Wachstum und Kaufkraft. Gleichzeitig geraten Notenbanken in ein Dilemma: Sie können die Konjunktur nicht stimulieren, ohne die Inflation weiter anzuheizen. Für Anleger bedeutet das sinkende Unternehmensgewinne, volatile Märkte und die Gefahr, dass sich Inflation und schwaches Wachstum gegenseitig verstärken – im schlimmsten Fall eine Stagflation, wie sie die 1970er Jahre geprägt hat.
Was ist jetzt entscheidend:
Straße von Hormus: Die Sperrung muss möglichst kurz bleiben. Solange 20 % des globalen Öls nicht durchkommen, bleibt der Markt angespannt. Eine diplomatische Einigung oder militärische Sicherung der Passage ist der wichtigste Einzelfaktor.
Eskalation in der Region: Wenn weitere Länder aktiv in den Konflikt hineingezogen werden – etwa Saudi-Arabien oder die VAE – würden auch die Alternativrouten gefährdet. Eine regionale Ausweitung wäre deutlich gefährlicher als der Iran-Konflikt allein.
Reaktion der anderen Ölproduzenten: Saudi-Arabien, die USA und andere OPEC-Länder müssten schnell zusätzliche Fördermengen auf den Markt bringen, um den Ausfall abzufedern. Die USA haben dafür strategische Reserven; die Frage ist, wie schnell und in welchem Umfang diese eingesetzt werden.
Kurzgefasst: Ein langer Konflikt ohne Verhandlungslösung, der sich regional ausweitet und keine Kompensation durch andere Produzenten findet – das wäre die gefährlichste Kombination.
Was bedeutet dies für Anlegerinnen und Anleger?
Für Anlegerinnen und Anleger mit einer langfristig orientierten und breit gestreuten Anlagestrategie entsteht zunächst kein Handlungsdruck.
Die klassischen Indizes sind in den unmittelbar betroffenen Regionen nicht investiert. Das Zinsänderungsrisiko auf Seiten der Anleihen wurde insbesondere in den von uns aktiv gesteuerten Mandaten ohnehin reduziert.
Die Frage wird sein, ob sich der Konflikt weiter ausweitet und von längerer Dauer sein wird oder ob es bei einem kurzfristigen Schock bleiben und die Situation sich schnell beruhigen wird.
Kurzfristige und emotionale Entscheidungen sind in jedem Fall kein guter Ratgeber. In den nächsten Wochen ist mit höheren Schwankungen an den Aktienmärkten zu rechnen. Insbesondere Anlegerinnen und Anleger, deren Depots sich aktuell noch im Aufbau befinden, können diese Schwankungen sogar positiv nutzen. Sollte der Aktienanteil im Portfolio unter Druck geraten gilt es einen ruhigen Kopf zu bewahren, investiert zu bleiben und den möglichen Rückgang als Chance zum antizyklischen Nachkauf („Rebalancing“) zu nutzen.
Bei Rückfragen stehen wir Ihnen gerne in einem Gespräch zur Verfügung.






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